Als Zaungast der Geschichte nur vermeintlich verschont
Norbert Gstreins Roman «Im ersten Licht» schenkt den Lesenden ein ganzes Menschenleben, das mit einem Axthieb beginnt: Hauptfigur ist der fiktive Adrian Reiter, 1901 bei Salzburg geboren. Sein Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg und rettet ihn – vielleicht. Reiter muss nicht an die Front, bekommt aber mit, wie Gleichaltrige fallen oder verstümmelt nach Hause kommen. Zeitlebens ein Aussenseiter, entwickelt er eine krankhafte Obsession für den Krieg, verschlingt zahllose Bücher und wird Geschichtslehrer. Der «Zaungast der Geschichte» ist nur vermeintlich ein «Verschonter». Dann, im Alter erlebt er unverhofft eine Liebesgeschichte.
Im grossartig erzählten Werk stellt Gstrein die aktuelle Frage, wie man überhaupt leben kann im Schatten der Kriege und des Tötens. Die Kritiker schwärmen von der «narrativen Wucht» des Romans ohne Pathos, und Paul Jandl schreibt in der NZZ, das Buch sei «ein Meisterstück».